Wölffchens-Urlaub, oder: Urlaub anders definiert

 geschrieben Mai 2013
Mit einer wohl etwas anderen Ansicht des Begriffes „Urlaub“, habe ich mich spontan Anfang März nach einer Anzeige im Trail-Magazin entschieden, das es auch für mich mal an der Zeit ist „Urlaub“ zu machen. Raus, ohne Wettkampf, ohne Lehrgang, ohne Verpflichtungen. DAS ist Urlaub für mich.

Gesagt – getan.

Ich melde mich verbindlich bei den Trail-Days an, knapp 4 Tage in Garmisch-Partenkirchen. Auf dem Programm stehen: Functional Fitness, Workshop Barfußlauf, Testworkshop Trailrunning Schuhe & Laufrucksäcke und viele mehr. PERFEKT, da ich neue Schuhe brauche und die eine andere Ausrüstung mir noch fehlt für 2013, war genau DAS das richtige für mich. Meet & Greet Donnerstag, Stirnlampentest von Petzl…ich hab mich spontan mal für ALLES angemeldet. Warum auch nicht, hab ja schließlich Urlaub =D

Donnerstag, Tag der Abreise. Büro? Klar, muss ja 3 Tage „vorarbeiten“ das ich nicht direkt an meinem 1.Arbeitstag nach Urlaub schrei! Mit knapp 2 Stunden Verspätung, bin ich froh das ich NICHT fliege, trete ich dann endlich meine Reise an. Laut Navi komme ich rechtzeitig in Garmisch zum Meet & Greet (Kennenlern-Laufrunde) um 17 Uhr an. Also Tempomat rein und entspannt die A9 dahin tuckern, selbst der motzende Ferrarifahrer hinter mir bringt mich nicht aus der Ruhe, werfe ihm noch lächelnd eine Kusshand rüber als ich die Spur wechselte. Hach ist das schön, ich glaub´s immer noch nicht, ich fahre in den URLAUB! Die Berge werden immer größer, die Sonne scheint, mal eben ein Foto auf fb teilen. Und genau dann passiert´s, 8 km VOR meinem Ziel: Stau! Warum muss sich auch ausgerechnet jetzt hier jemand überschlagen auf einer kerzengeraden Autobahn?! Egal, ich hab ja Urlaub. Um 5 vor 5 ruf ich dann doch mal an. „Wann lauft ihr los?“ „Jetzt! Es stehen wohl mehr in dem Stau, wir können nicht warten.“ Hmpf…was soll´s, dann halt Zimmer beziehen. Frau Neuner meine Vermieterin begrüßt mich herzlich und zeigt mir mein Zimmer. Zimmer ist gut, Wohnung trifft´s besser. Riesen Schlaf- Wohnzimmer inkl. Doppelbett, Couch, Esstisch, Flat, riesen Südbalkon mit Blick auf die Alpspitz, separaten kleinen Küche und einem großen, neuen Bad mit riesen Dusche! Kann´s noch besser werden? Bestimmt, dachte ich mir. Erstmal nen Café auf´m Balkon, dann Kram auspacken, umziehen und ab zum Workshop „Trail Running für Einsteiger“ im Shop „Racelite“ von Robert Pollhammer. Ein Traum jedes Outdoor-Sportler dieser Laden!

Nach einem sehr interessanten Vortrag über Trailrunning-Ausstattung von den Schuhen, über Bekleidung bis zu Stöcken, durfte gestöbert werden. Und da ist er: MEIN Rucksack! Super Passform, perfekter Sitz, optimale Größe. Ich habe mich verliebt <3 Erstmal weg legen lassen und eine Nacht drüber schlafen.

20:30 ab in mein Reich, umziehen und fertig machen für den Stirnlampentest von Petzl für Einsteiger (kann ja nicht schaden). Pünktlich um 21:30 stehen eine Horte Laufwütiger am Treffpunkt des Panorama Berggasthof, der auch bei den gesamte Trail Days der Ausgangspunkt ist. Robert Pollhammer (Veranstalter) hat den ganzen Kofferraum voller Lampen. Alle werden vorgestellt, von Ultra Rush Belt (Flutlicht) bis Tikka dürfen wir alle ausprobieren. Ich als Wölffin entscheide mich für die Kleinste, für was auch. Bei den Vollmond-Läufen brauchen wir ja meistens eh keine. Und schon geht´s los. Gine, aus dem Salomon Trailrunning Team, Stefan und Micha sind unsere Guides. Knapp 200m später, wie befürchtet, ist auch schon der Anstieg.

Meine Wadeln schicken mir Grüße vom letzten WE als ich beim Supertrail war! Lampe am Kopf aber nicht angeschaltet, zieht sich ein leuchtender Wurm den Trail bergauf. Oben angekommen heißt es: gleich geht es richtig in den Trail, da könnt ihr eure Lampen auf Herz & Nieren testen! Brav wie ich bin: AN! Und schon düsen wir bergab. „Läuft gut mit der Vorfußtechnik“ dachte ich mir. Falsch gedacht.

Bodenbeschaffenheitstest inkl. Längsstreckung über diverse Steingrößen erfolgreich absolviert! Alles gut! Und schon kommt ein kleineres Flutlicht auf mich zu und leuchtet. Ja gut, die Hand ist halt ein bisschen aufgeschürft. Ach so, von meinem rechten Knie ganz zu schweigen. Ich hinke. Als der 1. Schock verdaut war merkte ich erst, wie starkt ich mit dem Knie gebremst habe. Hilft nix, der Trail wartet! Wieder am Treffpunkt angekommen, verzieh ich mich. Ab nach Hause, Wunden lecken. Unter der Dusche wurde mir dann das ganze Ausmaß ersichtlich. Abgesehen von meinem linken Handballen hab ich mir den rechten Arm ganz schön geprellt und das riesen große Ei rechts am Knie will ich gar nicht erwähnen. Arnikaöl überall drauf, Traumeel rein und ab in die Heia, ist ja schon Mitternacht. „Na prima, 1.Tag rum und ich hab schon Blessuren, aber gut 400 hm“ waren meine letzten Gedanken.

Um halb 5 wache ich wie gewohnt auf und begutachte meine Trophäen der letzten Nacht. Vorteil einer Wohnung: Eiswürfel gestern Nacht noch in den Kühlschrank gestellt. Eis drauf auf´s Knie und noch mal umdrehen und grübeln, wie ich meinen 2.Urlaubstag umplane. Wie habe ich auf fb zu meinem geposteten Bild gelesen: Füße stillhalten – genieße ihn – erhol dich gut. Ja, das ist eine gute Idee. Dann werde ich halt Schuhe ohne darin rum zu rennen testen und die Sonne genießen. Halb so wild, ich hab ja noch 2 ganze Tage vor mir.

Dank meiner Vermieterin hab ich jetzt auch einen Verband mit Arnikawickel und bin gestärkt für den Tag.

INOV-8, Ravelight, Pearl Izumi, La Sportiva – überall probiere und quatsche ich und wie im Flug ist die Zeit bis zum Functional-Fitness Workshop um. Auch hier konnte ich viel mitnehmen. Mittlerweile hat es zu regnen begonnen. Ich beschließe den Workshop Berglauf am Nachmittag sausen zu lassen und mir ein gepflegtes Mittagsschläfchen gönnen. Schwer bewaffnet mit: Quark, Frischhaltefolie, Chocolate aus der Chocolaterie für meine Family UND meine neue Liebe – meinem Rucksack, wackel ich in mein Domizil .

Mama´s haben ja bekanntlich IMMER recht! Also, Quarkwickel auf´s Knie und dazu ein Schläfchen. Nach gut einer Stunde steh ich in der Dusche um des suppende Zeugs vom Knie abzuwaschen und siehe da – Mama hatte wie immer recht. Der Druck im Knie durch die Schwellung ist weg, Ei aber immer noch da. Was will ich mehr?

Ab zum Barfußlauf-Workshop. Die INOV-8 Bare Grip 200 warten auf mich. Es läuft wieder!

Workshop beendet, gemeinsam noch einen Cafe im Berggasthof…aber irgendwie fehlt mir noch was. Ach ja, ich bin noch nicht ausgelastet, ist einfach irgendwie zu wenig. Stirnlampentestlauf für Fortgeschrittene lasse ich sicherheitshalber ausfallen, dafür geh ich schwimmen.

Alpsitzbad inkl. Wellenbad ist perfekt um den Tag ausklingen zu lassen. 1200m waren es bevor die Wellen kamen, dann nochmal 300m mit Wellen =D Herrlich und die Welt sieht gleich viel frischer aus.

Wieder in meinem Reich kommt der nächste Quarkwickel drauf. Entspannt geht auch mein 2.Urlaubstag zu Ende.

Der Samstag startet mit einem leckerem Frühstück von Frau Neuner und einem Quarkwickel. Um 9 Uhr startet der Workshop „INOV-8 präsentiert die POSE-Lauftechnik“ für verletzungsgeplagte Läufer. Wenn ich nicht gerade mit vollem Körpereinsatz Bodenproben nehme, bin ich zwar so ziemlich verletzungsfrei, aber das möchte ich mir nicht entgehen lassen. Nach 2 Stunden sehr interessanter Theorie und 2 Stunden praktischen Übungen bin ich wieder a Pfund gscheiter und weiß, dass ich mich mit dem Thema ncoh weiter auseinander setzen werden. Nachteil: ich muss das Highlight der Trail Days absagen, mit herzlichen Grüßen vom Knie. Also wieder heim, der Quark ruft inkl. Sonne am Südbalkon. MERKE: schlafe niemals wieder mit Quarkwickel ein! MERKE P.S: lasse deine Hände seitlich liegen und nicht auf dem Bauch! Zu Fuß mit einem Eis und traumhaftem Wetter geht es zu unserem Treffpunkt, Ultralight-Workshop steht auf dem Plan. Tztztzzz…was es da alles gibt! Messer, damit könnte ich nicht mal vernünftig mein Steak schneiden. Handschuhe, die wenn ich das 2. Mal anziehe hoffnungslos zerstört hätte! Pergamentpapier wäre in dem Fall strapazierfähiger! Dennoch sehr interessant wenn´s mal länger dauern würde und jedes Gramm zählt. Nach einem erneutem kurzen Break wird die POSE-Technik dann nochmal 1 1/2 Std. intensiver erklärt. Endlich kommt das, was jeder Läufer gerne sieht: ein Bericht vom Jungle-Marathon und Bilder vom Yukon Arctic Ultra live vom Veranstalter Robert, der auch der Organisator und Ausrichter ist. Wahnsinn! Gripmaster Stephan hatte auch noch 3 spannende Filme dabei: Skyrun Südafrika – Kilian Jornet und Trailrunning Roadtrip to Iceland mit Gine & Gripmaster! Genial! Perfektes Futter zum Träumen…

Sonntag, 4. und letzter Tag meine Urlaubes und der Traildays

7 Uhr und wir stehen am Parkplatz des Hausberges. In ca. 1 Stunde gibt es Frühschoppen im Bayernhaus! Wenn das mal kein Ansporn ist. Also rauf auf´m Berg und ich bin überglücklich das ich den letzten Tag KOMPLETT mitnehme! Gut 50 min und 500 hm später sind wir am Zwischenziel angekommen. Es ist super schön, klare Luft und ein noch schöneres Panorama. Auf die Weißwürste – fertig – los. Das Frühstück war lecker und reichlich, was ich heute noch einige Male bereuen werde. Ein Teil geht direkt nach dem Frühschoppen wieder nach unten um die Heimreise anzutreten, der Rest will noch ein bisschen „auslaufen“ wie es so schön in der Ausschreibung hieß. 500 hm und eine Erkenntnis reicher, esse NIE WIEDER Weißwürste wenn es danach nur hoch geht, werden einige Fotos gemacht. In der Zwischenzeit haben sich wieder ein paar verabschiedet um auch sich auf den Heimweg zu machen. Nach knapp 3 Stunden seit dem Frühschoppen bin ich mit dem Großteil wieder am Parkplatz vom Hausberg, ein Paar wenige schnelle haben noch eine kleine extra Schleife dran gehängt. Für mich ein, bis auf das üppige Frühstück, ein perfekter Lauf mit perfektem Wetter und einer super Truppe! Zum Abschluss gehen wir noch ein Eis essen und den Tag Revue passieren zu lassen und um festzustellen, das Petrus Gnade mit uns hatte – es schüttet aus Eimern. Ja, es war klasse. Und dann ist es auch schon rum, ich sitze im Auto und mache ich auf den Weg gen München, wo ich mich noch mit Freunden treffe.

Sonntag 19 Uhr – ich bin wieder zuhause, mein Urlaub ist rum und ich bin schon wieder voll in der Arbeit, dank der Wettervorhersage! Noch eben die Schwimmunterricht für Pfingstmontag vom Freibad ins Hallenbad verlegt *hmpf…und ab in die Waagerechte um von meinem nächsten Urlaub zu träumen mit mehr Bergen, mehr Höhenmetern und mehr Laufkilometern!

Euere Wölffin