geschrieben Dezember 2025

Am letzten Samstag 2025 war es mal wieder soweit. Ich hatte einen Geistesblitz. „Ich könnte doch mein Jahr mit einem Ultra abschließen.“ Warum? Keine Ahnung. Vielleicht weil ich zufällig den Jahresabschluss 2020 gesehen habe? Vielleicht weil ich es mir selbst mal wieder beweisen wollte? Oder um die Jahre seit dem letzten Ultra abzulegen und einfach nur für mich zu laufen? Warum genau weiß ich auch nach dem Lauf nicht wirklich, sondern nur: ich hab’s getan!
Recht viele Möglichkeiten hab ich nicht zum Laufen und so kam nur Dienstag der 30. Dezember in Frage. Erzählt habe ich von meinem Hirngespinst niemanden. Wollte lediglich 2 Herzensmenschen in der Früh nach dem Start ein paar Tipps geben. Verpflegen wollte ich mich sowieso alleine und dass ich eine Begleitung die letzten 20 km hatte, hat sich eher zufällig ergeben, weil er sich selbst auf einem Silbertablett serviert hat. Am Sonntag hab ich zwar noch 2-3 Leute angeschrieben, die mich evtl ein Stück begleiten könnten, aber das hat sich in Luft aufgelöst. Sonntag kam noch ne weitere Challenge dazu, die in Kombi mit dem Ultra dann auch passt: 100000 Schritte in den letzten 3 Tagen des Jahres. Das diese Idee noch dämlicher war, als die mit dem Ultra, wurde mir erst später klar, aber dazu später mehr.

Montag Abend meinen Laufrucksack startklar gemacht, alles zusammen gesucht, was sich als gar nicht so einfach raus stellte, aber das wichtigste war zum Schluss dann drinnen.
6 Uhr wollte ich starten. 7 Uhr wurde es dann schlussendlich, aber nicht schlimm und absolut noch in der Zeit.
Meine neuen wasserdichten Trail Schuhe durften mich begleiten und dazu noch einiges Altes, was eben schon mich schon einige Jahre ohne Probleme Ultras begleitet hat.
Hirnbirn auf und los ging’s. Da es am Montag Abend etwas geschneit hat, war die Stirnlampe erstmal nicht nötig, aber wer weiß, sicher ist sicher. Direkt dahinter kam auch noch die Sonnenbrillen, brauch ich ja sicher auch noch.
Auf der Strecke fühlte es sich an, als wäre es gestern gewesen. Der Kadaver willig und der Kopf klar.
Mein erstes Etappenziel sollte der Krähentisch werden, wie auch 2020. Nur eben ohne Glühwein und Zuspruch. Alleine halt. Laut der Daten die ich aus dem letzten Lauf aufgeschrieben habe: ~ 18 km Ruine Wolfstein und ca. 2:15 h | ~ 35 km Buchberg und 4:15 h | ~ 20 km mit 2:30 h
Das ich den Zettel kein einziges Mal angucke, wusste ich nicht und auch, dass ich lediglich 4x auf die Uhr guck, 2x davon aus versehen. Mich hat´s nicht wirklich interessiert. Für 11 Uhr war der Begleitläufer bestellt, aber das musste ich 15 Minuten nach hinten schieben, nachdem ich ein KM-Schild gesehen hab.
Aber zurück zum Lauf. Die erste Stunde verging wie erwartet, wie im Flug und auch mein Etappenziel, was ich zwar nicht „im Blick“ haben konnte, weil die Wolken die Ruine umhüllt hatten, ging es erstaunlich gut. Mein Gedanke war, wenn ich es bis dahin alleine schaffe, schaffe ich den Rest auch, weil ich die letzten 20 km ja Begleitung habe.
Angekaute Riegel meiner Jungs und ein ‚Röhrle-Saft‘ war meine VP und so schnell konnte ich weder essen noch trinken, waren meine Hände eisig. Also weiter. Die nächste Etappe läuft der Kopf, weil wenn der nicht will, die Beine auch streiken. Aber auch dieses Stück ging erstaunlich gut. Bis auf „normale“ Wehwehchen, die man halt so hat bei einem langen Lauf, kam auch endlich die Sonne dazu. Mit der Sonne auf meinen A*** hat sich auch das Ziehstück im Kanal gar nicht mehr so lang angefühlt und telefoniert hab ich auch wie ne Weltmeisterin! Danke hier nochmal an alle die erreichbar waren!!!
Die letzten 3 km bis zum 2. Etappenziel war ich aufgeregt, weil ja der Begleitläufer dazu kam. Ein Schoko-Croissant wurde mir mitgebracht und Twix für den Rucksack und keine 3 Minuten später ging es weiter. Na gut, Röhrlesaft Nr. 2 muss halt warten. Vielleicht hätte ich meinem Begleitläufer doch sagen sollen, dass Trailschuhe seeehr gut gewesen wären, wobei sich dann rausstellte, er hätte eh keine gehabt…Straßenläufer halt und unwissend, worauf er sich mit mir eingelassen hat. Buchberg war, wie immer, kurz und schmerzlos jetzt war nicht, aber passt beim Schreiben einfach. Kurzweilig war er trotzdem und für den Begleitläufer eine Herausforderung so ohne Gripp im Laubwald mit gezuckerten Blättern. Souverän ging es drüber und auf der anderen Seite runter, wo ich mir dann endlich meinen Saft genehmigt hab. Staufer Berg war kürzer als gedacht und auch gut laufbar, aber auf das Stück danach bis Tyrolsberg, hätte ich verzichten könnnen. Freifläche, selbstverständlich Gegenwind und den Weg vor Augen. Absolut nicht meins, aber zu zweit ging es dann auch. Lustig: immer wenn ich gehen wollte, hatte sich meine Begleitung um ein laufbares Stück gefreut, aber so sind die Trailläufer halt. Immer außerhalb des Rhythmus der Straßenläufer.
Der letzte „Berg“ stand an und ich hab versprochen, dass es laufbarer bleibt und Buchberg wirklich das Highlight war. Weiß zwar nicht warum, aber wirklich geglaubt hat er mir nicht mehr. Der Tyrolsberg ging, wie auch schon der Buchberg, erstaunlich schnell vorbei, was aber ganz sicher daran lag, dass ich nicht alleine unterwegs war. Hätte sonst sein können, dass ich jede Kurve und jedes Erdhügelchen verflucht hätte. Dann ging es runter und die Solarfelder bei der Bahn waren und zusehen und ich hab tatsächlich innerlich schon gefeiert. Das letzte Stückerla!!! Nur noch einmal a bisserla nauf, dann plan dahin und nochmal runter und genauso war es! Bei meiner Begleitung hat sich die Freude in Grenzen gehalten, weil auf das Bergrunter seinem Knie nicht gefallen hat, aber zusammen schaffen wir die letzten KM.
Und dann war da die Abzweigung. Rechts: auf in noch ne Runde und links der Weg runter zum Auto. Selbstverständlich hab ich mir den aller letzten Downhill nicht nehmen lassen und hab versucht ein bisschen Tempo aufzunehmen um die Beine locker zu laufen.
Unglaublich. I DID IT!!! Ich hab´s tatsächlich geschafft. Und ja, ich darf stolz auf mich sein, weil ich es durchgezogen habe und mir selbst auf die Schulter klopfen!
Meinen Begleitläufer hab ich dann mit einer Medaille in seinem Etappenziel empfangen, die ich noch vom Winterultra gefunden habe.
Ganz unspektakulär ging es dann auch direkt zum Start, bzw. meinem Etappenziel, damit meine Begleitung zu seinem Auto kam und ich durfte dann noch ein Stück nach dem Buchberg abfahren, weil ich einen Schwund hatte. Mal wieder ein Handschuh. Aber auch den hab ich fröhlich am Straßenrand liegend gefunden und damit war mein „ein-Ultra-geht-immer“ „Jahresabschluss“ beendet.
Daheim dann erstmal den Wanz vollgeschlagen, mich dann in die Eistonne gequält, bevor es noch eine Runde Stretching gab und ich mit meinen Jungs dann endlich ins Bett konnte….wenn da nicht noch die Schritte wären, die ich mir selbst bis zum Jahresende auferlegt hätte…Stand als ich ins Bett bin: 56180 + 12573 vom 1. Tag der Challenge, macht: 31247 Schritte die mir bis Mitternacht noch fehlen, aber mal sehen, weil während ich das hier schreibe: gehe ich schon wieder! Ob zum Auslaufen, oder eben zum Schritte sammeln lassen wir jetzt mal offen und bin selbst gespannt, ob ich das noch schaffe.