👣🏔 wenn das Wetter meint, aus der Reihe tanzen zu müssen

geschrieben Juli 2017

…und dann war er da, der Tag X in meinem Kalender als Jahreshighlight. Der 21.Juli sollte es werden beim GROSSGLOCKNER ULTRA-TRAIL 2017 ®. Wenn da nicht das Wetter gewesen wäre…

Aber von vorne.
Anreise mal wirklich entspannt und vor allem rechtzeitig! Bis auf ein ganz wichtiges Teil, was beim Laufen essenziell ist. Kurz vor der Grenze nach AT hatte ich einen Geistesblitz. Angehalten. Bestätigt. Hab ich doch tatsächlich meine Laufhose vergessen!!! Ist ja nicht so, dass man davon nicht evtl. eine Reserve einpackt, aber NEIN. Ich wollte ausschließlich mit DIESER Hose laufen. Dann packt man auch keine Ersatzhose ein. Panisch Elke angerufen, weil ich wusste sie startet auch. Elke wohnt in Nürnberg und wäre eine Option, bevor ich mir eine neue kaufe und damit den Berg rocke. Und tatsächlich: Elke reist erst am Freitagnachmittag an! Meinen Bruder angerufen und gebeten, dass er am Weg in die Arbeit bei Elke vorbei fährt und die Hose in Briefkasten stopft. Check. Aber: wie kommt mein Bruder an die Hose?! Bis ich ihm das erkläre hätte, wäre Gründonnerstag gewesen. Also Mama musste her. Haarklein erklärt welche Hose es ist und wo sie ganz genau liegt (praktisch wenn man vor der Abreise noch den Wäschekorb ausräumt und die Hose brav dahin räumt, wo sie auch hin gehört) und dann war auch das geklärt. Mama bringt meinem Bruder meine Hose, der wirft sie bei Elke in den Briefkasten und ich treffe mich mit Elke am Freitag gegen Abend. *hach Schön wenn es läuft.
Und ich war ein Pfund leichter, weil mit einer neuen Hose 110 km sind ziemlich uncool.
Und so bin ich dann am Donnerstag den 20.Juli OHNE Laufhose nach Kaprun angereist und hab doch tatsächlich das erste Hotel direkt neben dem Start gebucht. *wennsonstnixläuftdannwenigstensdieÜbernachtung
Hotel Alpenrose mit wunderschönen Zimmern und einen grandiosem Service. Danke Petra nochmal für das fantastische Frühstück mit dem Service wie er besser nicht sein hätte können!
Zimmer bezogen und zum Zeller See, wo ich mich mit einer Trainerkollegin traf bevor es ziemlich zeitig ins Bett ging. Vorschlafen geht zwar net, aber immerhin: mehr wie sonst. Am Freitag ging es dann nach dem Frühstück erstmal raus. Ich wollte mir die Sigmund-Thun-Klamm ansehen. So nah wie beschrieben war sie zwar nicht, aber lauf bar. Nach gut 25 min kam ich dann auch an der Klamm an und es hat sich jeder Meter dahin zu laufen gelohnt.
Nach meiner Sightseeing-Tour hab ich dann auch meine Startunterlagen abgeholt und doch gleich mal ein paar alte Laufbekannte getroffen.
Im Hotel dann noch den Rest im Laufrucksack verstaut und auf Elke gewartet die mir ja meine Hose noch bringen will, bevor ich mich dann nochmal 4 !!! Stunden hinlegte. Hat zwar nicht funktioniert, aber der Wille war da und die Hose mittlerweile auch! *läuftwieder
Dann war es auch schon 22 Uhr und ich machte mich Startklar um pünktlich beim Briefing um 22:30 Uhr zu sein.
So einen Haufen alte Bekannte hab ich schon ewig nicht mehr getroffen. Hier noch kurz ratschen, da Hallo sagen und dann ging es Punkt 23 Uhr auch schon los.
War ja klar: erstmal hoch. 6500 hm müssen ja irgendwie auf 110 km verteilt werden!
Die Nacht war klar und sehr angenehm. Nicht wie beim Hochkönig neblig und klamm. Und so viel die Nacht auch ziemlich leicht und verging auch schneller als gedacht. Auf dem Weg Richtung Untere Pflandscharte knutschte uns von hinten die Sonne wach und alleine für den Sonnenaufgang war jeder Meter es wert. Auf der U. Pflandlscharte war es dann gar nicht mehr sooo schön. Regen, Hagel, Eisfelder und ein eisiger Wind wehte uns um die Ohren, der das alles nicht wirklich einfacher machte.
Gut 1 Stunde vor Cut Off kam ich dann am Glocknerhaus an, nachdem ich noch Zaubertabletten einem Läufer gegeben habe, der am Berg saß und keinen Meter mehr laufen konnte, weil ihm so schlecht war.
Über die Pfortscharte auf 2800 mü.M ging es dann am Lugnerhaus vorbei nach Karl auf knapp 1400 mü.M, wo auch die Dropbag wartete. Obwohl ich noch vor Cut Off um 16 Uhr raus gekonnt hätte, bin ich noch kurz geblieben und hab auf Hannah gewartet, die der Rennarzt schon vom Rennen raus nehmen wollte. Um 16:15 Uhr sind wir dann los. Warm war´s und leicht voll gefressen. Also dann halt langsamer. Hatte ja Zeit. Hannah habe ich ziehen lassen.
Durch die Karlser Tauern ging es dann sehr lange, immer leicht ansteigend zur Rudolfshütte. Und JA: die Hütte konnte ich schon auf dem Weg dahin nicht leiden!!! Erst konnte ich mir den Namen nicht merken und dann kam diese doofe Hütte einfach nicht! Der Weißsee hat dann wirklich einiges entschädigt. Trotzdem kam diese sch… Hütte nicht. Auch der Anstieg wollte nicht enden. Langsam haben wir uns alle den Berg hoch geschoben. Ich bin mittlerweile wieder Hannah auf den Fersen und Elke hat auch schon fast aufgeschlossen. Dann endlich OBEN!!! Als der Bergretter dann nur meinte: „Des wird aber knapp bis zur Hütte.“ „Ja wo ist die na etz?!“ „Da hinten unten.“ *boaichglaubichmuss
Aber alles gemoser half ja nix und so nahm ich meine Füße in die Hände und bin in der Dämmerung den Berg runter geschossen. Auch wenn ich nicht wirklich jeden Tritt 100%tig gesehen habe, so lief es durch den Druck im Nacken, ziemlich geschmeidig. Dann hab ich endlich die Hütte gesehen. ABER: erst nochmal hoch! *WTF?!?! Also: hoch. Da es kurz vor 22:30 Uhr war (Cut Off Zeiten wurden wegen eines Gewitters irgendwann am Tag mal angepasst & geändert) hab ich schon den Leuten die ich gesehen habe, entgegen gerufen „hab ich es noch geschafft?“ „Klar! Komm erstmal hoch.“ „Kann ich weiter?“ „Nee!“ „Aber ich bin doch noch in der Zeit?!“ „Ja schon.“ „Ok, dann geh ich weiter“
Sebastien war auch noch da und wir liefen gemeinsam dann in die Nacht, wo ich sehr froh drüber war, weil er keine Stirnlampe hatte, sondern halt einfach einen Hirnstrahler und alles erhellt hat.
Hinter und vor uns sind dann schon die Herren mit, die die Strecke abmarkieren und die Schlussläufer sind.
Da es uns ziemlich gut gin und konnten wir tatsächlich noch einen Läufer bergab überholen und auch die Herren „abhängen“ und wir konnten wieder etwas entspannter laufen. So ne gefühlte Stunde (hab leider kein Zeitgefühl mehr gehabt!) bevor es dann los ging mit dem Unwetter. Wir waren schon am Weg zum Kapruner Törl, dem letzten Anstieg auf 2600 mü.M bevor es dann nur noch gut 20 km RUNTER bis Kaprun gegangen wäre.
Wäre da nicht das Gewitter gekommen. Bin in Sekunden wurde der Berg zum reinsten Wasserfall. Der Weg war nur noch Schlamm und Wasser. Sebastien und ich haben uns unter einen Felsvorsprung unter gekauert um uns anzuziehen. Und hinter uns? Die Herren der Bergrettung *hmpf. Kurzer Funkkontakt. Blitz & Donner waren genau über uns und wir HÄTTEN nur noch 200 hm im Aufstieg gehabt von 6500!!! RENNABBRUCH!!! NEIN!!! Ich will aber jetzt nicht aufhören!!! Enttäuschung machte sich breit…und Müdigkeit, gekoppelt bei mir mit verdammt schlechter Laune. Sorry nochmal an den Bergretter der hinter mir lief!!! Kann ich motzen und schimpfen während wir den mühsam erklommenen Anstieg wieder auf dem exakt gleichen Weg zurück sind. Über die Schlucht auf der anderen Seite wieder hoch. Um ehrlich zu sein hab ich keinen blassen Schimmer welchen Weg wir dann nach der Brücke sind, ich weiß nur: der Weg war gefühlt viiiiel länger, als der bis zum Kapruner Törl rauf! Also gefühlt.
Als wir dann irgendwo angekommen sind, ging es direkt ins Auto woanders hin um uns dann von dort aus mit dem Taxi nach Kaprun zurück zu bringen.
Ich hab geschlafen. War ja eh schon rum, also kann ich auch schlafen. Eingemummelt in meiner Rettungsdecke auf dem Beifahrersitz immer noch grummelnd bin ich dann eingeschlafen.
In Kaprun angekommen haben wir uns dann noch eine Portion Nudeln gegönnt, bevor die heiße Dusche und das Bett gerufen haben. Glaube es war 4 Uhr.
Was soll ich noch sagen…es war ein wunderschöner Lauf unter sehr vielen alten & neuen Bekannten in einer Wahnsinns Umgebung mit sehr, sehr neugierigen Murmeltieren.
Sonntag dann noch entspannt gefrühstückt, bevor ich dann bei Andrea und ihrer Familie noch auf einen Café eingeladen war. Im Zeller See dann noch die Beine kühlte und ab Richtung Heimat. Dank Stau auch mit einer riesigen Portion Eis und dicken Füßen….

…zu den Bildern 📸 geht´s hier lang und hier kommt ihr zu einem Video von Cyrille den ich unterwegs Kennenlernen durfte!