Prädikat: NICHT empfehlenswert, oder:

wenn dir dein Körper ganz leise ins Ohr flüstert: mach das NIE, NIE wieder! Hörst du!

geschrieben Juli 2018

Als Trainer empfehle ich ja gerne meinen Athleten was aus trainingswissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Dass man als Trainer dann aber genau das nicht so macht habe ich mal wieder selbst erleben dürfen.

Samstags Abend 21 Uhr. Ich erhalte über facebook eine Nachricht, ob ich morgen beim Halbmarathon in Altdorf dabei bin. „Wenn dann nur zum Gucken“ „Laufen wäre besser, bräuchte für´s Mädl Team die dritte Frau 😉“ „😅 Welche Zeit?“ „Im Ziel ankommen! Sage aber auch „Just for Fun“ „Ich werde sterben! Kann ich aber schon machen“

Und so wurde aus meiner „langen Nacht in Altdorf“ ein kurzes Vergnügen und eine noch kürzere Nacht.

Da ich davon ausgegangen bin, dass eine Dame kurzfristig ausgefallen ist, kam ich nicht mal im Geringesten auf die Idee, dass das Team noch überhaupt nicht bestanden hat. Das aber erfuhr ich erst, als ich am Morgen nachfragte, weshalb ich schon um 7:15 Uhr da sein solle, wenn ja erst um 8 Uhr Start ist.

Ähm…ja…hätte wohl doch noch mehr Fragen am Abend zuvor stellen sollen und länger drüber nachdenken. Weil Lauf-km habe ich aktuell 8 pro Woche in den Beinen und sicher nicht im Tempodauerlauf-Schnitt!

Ein Ultra geht immer, aber ein Halber?! Egal, sind ja genügend Bekannte am Start mit denen ich ratschen kann unterwegs. So der Plan.

Dass nach dem Startschuss um Punkt 8 Uhr alle los geschossen sind brauch ich nicht zu erwähnen. Dass ich mitgezogen hab? Selbstverständlich!

Laufen, solange es läuft und gehen, bis es wieder geht!

Dankbar, dass ich Mama als Supporter ausmachen konnte und sie mit einer Banane bewaffnet bei km 6 in Rasch stand. Bin ja nicht so der Frühstücker vor einem Lauf. Im fliegenden Wechsel wurde Autoschlüssel gegen Banane getauscht und 250 m weiter auch gleich nochmal Wasser nachgetankt.

Die Banane wollte ich, „Hast nur noch einen kleinen Anstieg vor dir“ O-Ton einer am Streckenrand stehenden Schwimmerin von mir, beim Hochgehen essen.

Da ich schnell merkte, dass das heute doch nicht so ein Tratschlauf wie geplant für mich wird, sondern ich wissen wollte, was denn so ganz ohne Tempotraining möglich ist, versuchte ich den Schnitt aufrecht zu halten. Dass ich den Berg nach Pühlheim hoch gehe wusste ich vorher und spätestens als ein paar Grad Steigung dabei waren bestätigte mir das auch mein Knie. Ja, auch ich bin nicht aus unverwüstlichem Stahl und merke die Meniskus-OP vom letzten September. Wollte ja eh meine Banane essen.

„Alles was hoch geht, geht ja bekanntlich auch meist wieder runter!“

Dann ging es runter zurück Richtung Altdorf und ich konnte es wieder laufen lassen. So könnte es jetzt bis ins Ziel gehen. War aber nicht so.

Die letzten km kam dann noch eine ordentliche Portion Wind dazu, selbstverständlich von vorne!

Mein Fahrgestell (a.d.Red: Gelenke, Bänder und Sehnen) wollte nur noch ins Ziel und außerdem war da noch die Frau vor mir, die ich gerne hinter mir lassen wollte.

Der Kampf begann an der letzten Verpflegungsstelle. Sie ging gut 150 m vor mir. Ich ging ebenfalls nochmal ein paar Meter um in Ruhe zu Trinken, bevor ich dann die Jagd starten wollte. Beim Wollen ist es auf den letzten 3 km geblieben. Bis 200 m vor dem Zieleinlauf. Dann hatte ich sie endlich! Der Zielsprint war dieses Mal definitiv kein Zuckerschlecken und somit auch ohne Lächeln, aber ich hab sie überholt! Wenn auch nur mit 4 Sekunden Vorsprung und auch wenn die Dame eine Altersklasse unter mir war. Wusste ich ja beim Laufen nicht.

Nach 1:53:10 h war es dann nach hartem Kampf vollbracht. Nicht der Brüller, aber wurscht und aktuell auch meine persönliche Bestzeit auf der Halbmarathon Distanz, weil der letzte offizielle Halbe schon gut 10 Jahre her ist.

Den Damen-Team-Sieg für den FSV Weissenbrunn | TWINN Team hatten wir in der Tasche und zu meiner Überraschung wurde ich 1. in meiner Altersklasse und 8. gesamt in der Damenwertung.

Kann man schon mal machen, auch wenn der Kadaver (a.d.Red. Körper) schon arg gemotzt hat.

Spaß hat es trotzdem gemacht und auch wenn ich den Lauf nicht auf meiner To-Do-Liste stehen hatte, kann ich jetzt einen Haken dahinter machen.

Danke an den Johann, dass du an mich gedacht hast und ich für den FSV Weissenbrunn | TWINN Team starten durfte/musste/sollte. Mach das bitte nicht nochmal 😉

Nachtrag (Empfehlung): NICHT NACHMACHEN!!!

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