Problemfall Achillessehne

Die Achillessehne ist die stärkste Sehne im menschlichen Körper überhaupt – und dennoch ist sie nicht selten überfordert. Tipps zu Ursachenforschung und Behandlungsmöglichkeiten.

Seit vier Wochen jeden Morgen dasselbe. Susanne hat Schmerzen. In ihren beiden Fersen stechen die Ansätze der Achillessehnen und behindern sie beim Gehen und besonders beim Treppensteigen. Ihr geliebter Laufsport ist nur mit erheblichen Schmerzen verbunden und Susanne ist langsam verzweifelt – wie weiter?

„Wie so oft in der Medizin richtet sich auch bei einer schmerzenden Achillessehne die Therapie nach der Ursache“, sagt der Orthopäde Dr. med. Christian Sommer* pragmatisch. „Wenn man herausgefunden hat, wo die Ursache liegt, führt im Falle der Achillessehne in den allermeisten Fällen eine Kombination von speziellen Einlagen mit physikalischen Massnahmen wie Stosswellentherapie, Stretching- und Kraftübungen zum Erfolg. Allerdings muss in der Regel mit einer über mehrere Wochen dauernden Rehabilitation gerechnet werden, was vor allem für sportlich ambitionierte Patienten eine Geduldsprobe darstellt.“

Enorme Belastungen

Die Achillessehne muss enormen Belastungen standhalten. Sie ist quasi das Verlängerungsseil der dreiteiligen oberflächlichen Wadenmuskulatur dar. Sie ist der Kraftüberträger der Wadenmuskulatur auf den Fuss und ist wesentlich mitverantwortlich für ein kraftvolles Abstossen. Wenn man bedenkt, dass beim normalen Gehen etwa das einfache und beim Joggen bis zum dreifachen Körpergewicht auf das Standbein einwirkt, kann man sich vorstellen, welch enorme Kräfte auf die kleine Ansatzfläche der Achillessehne am Fersenbein wirken. Nicht zuletzt dadurch hat die Achillesferse auch in der Mythologie ihre Bedeutung.

Den Ursachen auf der Spur 

Doch wo können die Ursachen liegen bei Schmerzen an der Achillessehne? „Gerade bei Sportlern sehen wir häufig Überlastungserscheinungen des Ansatzgebietes der Achillessehne am Fersenbein“, sagt Christian Sommer. „Sehr häufig handelt es sich um Schleimbeutelentzündungen in der Nähe des Sehnenansatzes zwischen der Sehne und dem Fersenbeinknochen. Bei sehr intensiven, lange andauernden Belastungen bildet sich manchmal sogar eine knöcherne Erhebung aus, hinten seitlich am Fersenbein.“ Im Fachjargon wird dieser Überknochen laut dem Experten als „Haglundexostose“ bezeichnet. Der Extraknochen drückt dann von innen auf die Sehne, was vor allem beim geschlossenem Schuhwerk im Bereiche der Fersenkappe zu einer Schmerzverstärkung führen kann. Für Christian Sommer können folgende Punkte Auslöser von Achillessehnen-Ansatzschmerzen sein:

    • Eine Verkürzung der Wadenmuskulatur mit entsprechend erhöhter Zugkraft auf die Achillessehne auch bei wenig belastenden Tätigkeiten
    • Ein Einknicken des Rückfusses nach innen oder aussen mit entsprechenden Schwerkräften auf den Achillessehnenansatz
    • Die Haglundexostose als lokaler Reizauslöser
    • Ein Fussschmerz an anderer Lokalisation, der zu einem veränderten Abrollmuster führt (z. B. Schmerzen und Verletzungen der Zehen)
    • Bei Laufsportlern Schuhe, die nicht auf den Laufstil und die Füsse des Trägers abgestimmt sind
    • Abrupte Trainings-Umfangsteigerung im Hinblick auf ein sportliches Ziel
    • Eher selten sind Stoffwechselkrankheiten oder Medikamentenwirkungen für eine degenerative Achillessehnenveränderung verantwortlich (z. B. Kortison-Einnahme über sehr lange Zeit bei Asthmatikern oder Rheumatikern)

Alternativsportarten möglich 

Trotz aller Langwierigkeit, die Achillessehnenprobleme mit sich bringen können: Ganz auf Sport muss trotz Beschwerden nicht verzichtet werden, wenn man auf Alternativsportarten ausweicht, bei denen nicht das ganze Körpergewicht via Achillessehne auf den Boden übertragen werden muss (wie beim Laufen). Besonders schonend und dennoch effizient sind Wassersportarten wie Schwimmen oder Deep Water Running (Wet Vest) oder Radfahren.

Falls innert dreier Monate mit konservativer Therapie keine Besserung der Beschwerden erzielt werden konnte, ist eine gründliche Standortbestimmung durch einen Spezialarzt angezeigt. Kann die mechanische Problematik durch gezielte Therapieformen und alternative Sportarten nicht beseitigt werden oder besteht eine nachgewiesene Schädigung der Achillessehne (im MRI), muss eventuell die operative Revision diskutiert werden.

Quelle: Datasport

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